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Kann man mit Chlorella Schwermetalle ausleiten? Eine Analyse der Studienlage

Kann man mit Chlorella Schwermetalle ausleiten? Eine Analyse der Studienlage

Der Gedanke, dass man mit Chlorella toxische Metalle wie Quecksilber oder Blei einfach und natürlich ausleiten kann ist sehr weit verbreitet. Es ist eine von Heilpraktikern und sogar einigen hoch angesehenen Ärzten akzeptierte und Idee, die so gut wie nie in Frage gestellt wird.

Gibt es tausende von Studien, die die Wirksamkeit von Chlorella belegen, wie ich es so oft zu hören bekomme? Wie sieht es wirklich um die wissenschaftliche Lage aus, was Chlorella und chronische Vergiftungen angeht? Worauf basieren die allgegenwärtigen Behauptungen mit grünen Presslingen Quecksilber und Blei aus dem Körper einfach und natürlich loszuwerden zu können?

Wie müsste eine Studie aufgebaut sein?

Bevor wir an diese Frage rangehen, sollten wir uns zuerst klar machen, wie eine Studie aufgebaut sein müsste, die beweisen würde, dass Chlorella in der Lage ist Schwermetalle auszuleiten.

  1. Sie müsste an Menschen durchgeführt worden sein.
  2. Sie müsste an Menschen durchgeführt worden sein, von denen man weiß, dass sie chronisch quecksilber- oder bleivergiftet sind. Aufgrund der Tatsache, dass es notorisch schwierig bis unmöglich ist, eine chronische Quecksilbervergiftung eindeutig zu diagnostizieren, ist das schon mal eine große Hürde. Bei Blei kann man Haaranalyse verwenden. Aber bei Quecksilber, das sich bevorzugt in Organen wie Gehirn, Schilddrüse oder Leber absetzt, ist das so gut wie unmöglich. Aber gehen wir mal von dem hypothetischen Fall aus, dass es den Studienleitern irgendwie gelungen wäre, das Problem der Diagnose zu lösen.
  3. Diese Gruppe von Menschen würde man dann mit Hilfe des Zufallsprinzips zwei unterschiedlichen Gruppen zuweisen: Einer Interventions- und einer Kontrollgruppe.
  4. Beide Gruppen würden dann etwas zu schlucken bekommen: die Interventionsgruppe würde Chlorella einnehmen, die Kontrollgruppe einen Placebo. Und dieses Placebo müsste dann idealerweise von den Chlorellapresslingen nicht zu unterscheiden sein, weder von den Teilnehmern der Studie noch von den Studienleitern.
  5. Dann würde man den Urin und den Stuhl der Personen vor, während und nach der Studie auf Schwermetalle testen und gleichzeitig deren Symptome beobachten und diese am besten auch noch systematisch aufzeichnen und quantifizieren.
  6. Das alles müsste natürlich an einer genügend großen Anzahl von Teilnehmern durchgeführt worden sein, also pro Gruppe nicht weniger als 30 und auch ausreichend lang, also mindestens über einige Monate. 

Das wäre also eine so genannte randomized, placebo controlled, double blind study. Eine Studie von höchster wissenschaftlicher Qualität und auch die einzige Art von Studie, die eine schwermetallentgiftende Wirkung von Chlorella belegen könnte. Das ist auch die einzige Art von Studie, die irgendeinen Kausalität belegen kann.

Zusätzlich muss die Studie in ihrer Gänze vorliegen, nicht nur die Zusammenfassung, sondern der gesamte Text.

Und da zeichnet sich schon das erste Problem auf.

Chlorella Studien auf Pubmed

Denn, wenn man auf pubmed.com geht, also der Webseite mit der weltweit umfangreichsten Datenbank von Studien, so findet man heraus, dass es nicht nur so gut wie keine randomized, placebo controlled, double blind studies gibt, sondern dass es praktisch so gut wie gar keine an Menschen durchgeführte Studien gibt.

Wenn man bei pubmed die folgenden Stichwörter eintippt:

“chlorella mercury”

“chlorella lead toxicity”

“chlorella cadmium”

dann bekommt da einige hundert Ergebnisse. Die überwiegende Anzahl davon sind Studien mit Chlorella in wässrigen Lösungen, also Studien, die in Petri-Schalen durchgeführt wurden. Dann gibt es einige wenige an Tieren, vor allen Ratten und Mäusen und nur 2, die ich finden konnte, wurden an Menschen durchgeführt. Die eine davon erfüllt die gerade erwähnten Qualitätsmerkmale nicht, die andere – weiß man nicht, da der Text nicht vorliegt. Nicht mal eine Zusammenfassung ist zu lesen.

Schauen wir uns die Studien etwas genauer an.

Chlorella Studien an Menschen

1. “The Long-Term Algae Extract (Chlorella and Fucus sp) and Aminosulphurate Supplementation Modulate SOD-1 Activity and Decrease Heavy Metals (Hg++, Sn) Levels in Patients with Long-Term Dental Titanium Implants and Amalgam Fillings Restorations”. [LINK]

Was einem da sofort auffällt, ist, dass es sich hier nicht nur um Chlorella, sondern um ein paar weitere Mittel und Interventionen handelt. Der Titel alleine verrät schon, dass die Teilnehmer der Studie nicht nur Chlorella, sondern zwei andere Mittel eingenommen hatten, nämlich Fucus sp und Aminosulphurate. Gleichzeitig scheint es, dass ihnen Amalgamfüllungen entfernt wurden. D.h. die Teilnehmer wurden 4 verschiedenen Interventionen unterzogen. Kann man unter solchen Umständen erkennen, ob Chlorella für die beobachteten Effekte verantwortlich war? Nein, natürlich nicht.

Trotzdem steht in der Zusammenfassung der Studie, dass chlorella und diese Aminosulphurate es geschafft hätten die Werte von Quecksilber, Silber, Zinn, Blei und Uranium zu senken.

Um zu verstehen, wie die Studiendesigner zu dieser Schlußfolgerung gelangt sind, habe ich das getan, was 99,9999% alle Ärzte niemals tut, nämlich auf den gesamten Text der Studie geklickt. Ich wollte wissen, wie genau diese Studie durchgeführt wurde und was, diese Aminosulphurate wären.

So steht da, dass alle Teilnehmer in der Interventionsgruppe die folgenden Mittel verabreicht bekommen hätten:

  • Green-flor
  • Ergytaurine
  • Ergylixir.

Da sind wir schon bei 3 verschiedenen Produkten, nicht mal einzelnen Stoffen.

Die drei Produkte enthielten u.a. die folgenden Stoffe:

Green-Flor enthielt:

  • Chlorella
  • Spirulina
  • Kelp
  • Apfelpektine
  • Acerola
  • Distel
  • andere Zusatzstoffe

Ergytaurine enthielt

  • Taurine
  • L-Cysteine,
  • Löwenzahn,
  • Schwarzrettich
  • Broccoli
  • Knoblauch,
  • L-methionine
  • L-glutamine
  • Glycin
  • Zink
  • Folsäure
  • Mangan
  • B Vitamine
  • Selenium
  • Kupfer

Ergylixir enthielt

  • Artischocken
  • Schwarzrettich
  • Holunder
  • Solidago
  • Preiselbeersaft
  • Löwenzahn
  • Klette
  • Molybdän
  • Selenium

und mehr.

D.h. wir haben hier fast 30 verschiedene Stoffe, die zusätzlich zu Chlorella eingenommen wurden, nicht nur zwei weitere wie der Titel es glauben macht. D.h. diese Studie kann unmöglich gezeigt haben, dass Chlorella irgendwas mit irgendwas anderem zu tun hatte. Diese Studie war nicht in der Lage irgendeinen Zusammenhang zwischen einzelnen Faktoren zu ermitteln, da sie gleichzeitig ca. 30 verschiedene Faktoren einbezog.

Da könnte man aber sagen, ok, dann waren es eben diese 3 Produkte, die diese Vielzahl von Wirkstoffen enthielten, die zu der Verminderung von Schwermetallen geführt haben. Ist doch egal, Hauptsache man hat etwas, dass erfolgreich Schwermetalle entfernt, nicht wahr? Ob es jetzt Chlorella oder die Artischocken oder die Pille die Chlorella zusammen mit Artischocke, Löwenzahn und 20 anderen Mitteln enthält, waren, ist doch egal.

Tja, nicht ganz, denn gleichzeitig wurde den Teilnehmern der Gruppe während der Studiendauer alle 20 Tage Amalgamfüllungen entfernt wurden.

D.h. der Fall in Schwermetallen, der sich nach der Studie in den Haarproben ergeben hat, kann auch deswegen gewesen sein, weil die Amalgamfüllungen entfernt wurden und hatte nichts mit den eingenommenen Mitteln. Aufgrund des seltsamen Aufbaus der Studie ist das aber unmöglich zu sagen, was jetzt eine Rolle gespielt hat oder ob überhaupt.

D.h. diese Studie ist eigentlich ein Witz. Sie hält sich an keine einzige Regel, die man bei einer wissenschaftlichen Studie erwarten würde.

Sie war so schlecht konzipiert, dass sie nicht in einer Million Jahre in der Lage gewesen wäre, irgendeinen Zusammenhang zwischen irgendwas aufzuzeigen.

Was ist hier also los? Wieso wurde für so eine Charade überhaupt Geld ausgegeben? Und die Antwort gibt die Studie selbst, wenn man weiß, wo man lesen muss. Denn unter “Anerkennungen” steht da, dass sich die Studienleiter herzlich bei Nutergia Laboratorios bedanken für die Unterstützung dieser ähem Studie. Wer ist Nutergia Laboratorios? Das ist der Hersteller dieser Mittel, die da getestet wurden. Auch bedankt man sich beim CIROM, dem Institut, wo die Amalgamrestaurierungen durchgeführt wurden.

Jetzt wird auch alles klar: In dieser Studie handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um Marketing. So sieht nämlich Marketing heutzutage aus: nicht mit einem Plakat einer vollbusigen Dame auf dem Strand, sondern mit einer auf Pubmed publizierten Studie. Diese Studie hat absolut keinen wissenschaftlichen Wert. Null. Es ist reines Marketingmaterial. Ähnlich dem, das Prof. Chris Exley produziert hat, um angeblich zu beweisen, dass Siliziumreiches Mineralwasser in der Lage wäre Aluminium auszuleiten. Das ist auch leider reines Marketing gewesen. Den Artikel dazu können Sie auf meiner Webseite finden.

Dann kommen wir zu Studie Nr. zwei, die da heißt

2. Effect of chlorella on fecal and urinary cadmium excretion in “Itai-itai” disease [LINK]

Das Problem hier ist, dass es keinen Text, nicht mal eine Zusammenfassung zu der Studie gibt. Das ist leider oft der Fall bei älteren Studien. Wenn es jedoch keinen Text gibt, so gibt es auch nichts zu besprechen.

Trotzdem gibt es deutsche Webseiten, die behaupten, den Inhalt dieser Studie zu kennen. Und dass diese Studie zeigt, dass regelmäßige Einnahme von Chlorella verbessert zum Beispiel die Ausleitung von Cadmium über die Nieren und den Darm um Faktor 3 bis 7.

Wie die deutschen Webseiten zu dieser Information kommen, ist wie gesagt, nicht klar. Da es nicht mal englischsprachige Seiten gibt, die Auskunft über die Studie geben.

Fakt ist, dass wenn man über die Itai Itai Krankheit liest, die tatsächlich von Cadmium verursacht wird, es keine Empfehlungen gibt, Chlorella einzunehmen. Die offizielle Position ist die, dass es keine Heilung für diese Krankheit gibt. Insofern kann diese Studie nicht besonders überzeugend gewesen sein, wenn ihre angeblichen Schlußfolgerungen nicht von der Medizin übernommen wurde. Es stellt sich auch die Frage, wieso keine weiteren Studien zur Cadmiumvergiftung an Menschen und Chlorella in den letzten 50 Jahren durchgeführt wurden, falls diese Studie wertvolle Ergebnisse zum Thema geliefert hat.

Das sind alles Spekulationen. Da wie gesagt, der Text nicht vorliegt, nicht einmal eine Zusammenfassung, müssen wir diese Studie aus der Analyse entfernen.

Das wars, was Chlorella und Studien an Menschen angeht: eine nicht existente Studie aus dem Jahr 1975 und ein Stück Marketing, das als Studie verkauft wird.

Chlorella Studien an Mäusen

Jetzt könnte man sich aber noch Studien an irgendeinen Säugetieren anschauen. Vielleicht gibt es ja da was Schlüßiges. Und das, obwohl die wenigsten Studien, die an Ratten durchgeführt wurden sich als nützlich für Menschen erwiesen haben. Aber wir wollen mal großzügig sein. So findet man folgendes:

3. “Potential Alleviation of Chlorella vulgaris and Zingiber officinale on Lead-Induced Testicular Toxicity: an Ultrastructural Study.” [LINK]

“Mögliche Linderung durch Chlorella vulgaris und Zingiber officinale auf bleiinduzierte Hodentoxizität”.

Was wurde da gemacht?

60 verschiedene Ratten wurden in vier verschiedene Gruppen unterteilt.

Gruppe Nr. 1 war die Kontrollgruppe.

Gruppe Nr.2 erhielt Bleiacetatwasser

Gruppe Nr. 3 erhielt  Chlorella zusammen mit dem Bleiwasser

Gruppe Nr. 4 erhielt Zingiber Officinale, also Ingwer, mit Bleiwasser

All das 90 Tage lang.

Diese Studie untersucht also eine akute Bleivergiftung und eine mögliche schützende Wirkung von Chlorella oder Ingwer auf eine fortlaufende Bleivergiftung. So eine Studie ist für Menschen, die eine chronische Vergiftung, d.h. Schwermetallbestände in den Organen loswerden wollen, irrelevant. Denn keiner heutzutage nimmt wissend Schwermetalle zu sich und überlegt sich “Hm, wie kann ich die Absorption reduzieren?”. Wenn man weiß, dass man toxische Metalle einnimmt, dann versucht man als allererstes das nicht weiter zu tun.

Somit ist die Relevanz für Menschen, die einer chronischen Schwermetallvergiftung unterliegen gleich null.

Als nächstes gehen wir über zu

4. Parachlorella beyerinckii accelerates lead excretion in mice. [LINK]

Was hier gemacht wurde ist ähnlich wie bei der vorherigen Studie: einer Gruppe von Mäusen wurde nur eine Bleilösung zu trinken gegeben, einer anderen Gruppe wurde Bleilösung mit dieser Parachlorella gegeben.

Auch hier wurde also nicht die Fähigkeit von Chlorella untersucht, eine chronische Bleivergiftung zu revidieren, sondern die potentielle schützende Wirkung bei einer fortlaufenden Bleivergiftung untersucht. Diese Studie ist wiederum für die überwiegende Mehrzahl von Menschen, die es mit einer chronischen Schwermetalvergiftungen zu tun haben, irrelevant.

So kommen wir zu der Studie mit dem Titel “Schützende Effekte von Chlorella vulgaris in Mäusen die mit Blei vergiftet wurden und mit Listeria moncytogenes infiziiert wurden”.

5. Protective effects of Chlorella vulgaris in lead-exposed mice infected with Listeria monocytogenes. [LINK]

Was hier gemacht wurde, ist folgendes:
Verschiedene Gruppen von Mäusen wurden mit Listeria infiziiert.

Gleichzeitig wurde einer Gruppe nur Chlorella verabreicht.

Gleichzeitig wurde einer anderen Gruppe nur Blei verabreicht.
Und noch einer anderen Gruppe wurde Chlorella mit einer Bleilösung verabreicht.

Also auch hier wurde wiederum nur die potentielle schützende Wirkung Chlorella untersucht bei einer akuten Bleivergiftung, NICHT die Fähigkeit eine chronische Vergiftung mit Chlorella zu untersuchen.

Relevanz für chronisch Kranke: null.

Weiter kommen wir zu

6. Effect of Chlorella vulgaris intake on cadmium detoxification in rats fed cadmium. [LINK]

einer interessanten Studie, die folgenderweise aussah:

Ratten wurden mit Cadmium vergiftet und zwar jeden Tag 8 Wochen lang.

Danach wurden die Ratten in 3 Gruppen unterteilt:

Eine bekam 0% Chlorella

die andere Gruppe 5% der Tagesdosis,

die letzte Gruppe 10% der Nahrung war Chlorella.

Während der Chlorellaeinnahme wurde der Urin der Ratten gemessen.


Resultat:
Urinary cadmium concentration was not affected by dietary chlorella intake.

Also: Die Konzentration von Cadmium im Urin war nicht von der Chlorellaeinnahme beeinflußt.

Weiter heißt es: “Several studies presented that simultaneous intake of Cd and chlorella facilitated urinary Cd excretion and this finding resulted from inhibition of absorption but not from facilitation of excretion.”

Im Klartext, was die anderen Studien auch gezeigt haben: Chlorella kann eventuell die Absorption von Cadmium und anderen Metallen bremsen, nicht die Ausscheidung fördern.

Und diese Studie beweist das.

Also: Chlorella ist kein Ausleitungsmittel für Cadmium. Es ist für die Behandlung einer chronischen Cadmiumvergiftung nicht geeignet.

7. “Effect of Chlorella intake on Cadmium metabolism in rats”. [LINK]

Hier wurde ebenfalls die potentielle Absorption hemmende Wirkung von Chlorella untersucht, da hier Mäusen Cadmium zusammen mit entweder 0%, 3% oder 5% Chlorellagehalt gefüttert wurde. Das hat wiederum mit einer bestehenden chronischen Vergiftung nichts zu tun. Somit für Menschen irrelevant.

Falls Sie vorhaben, Cadmium in größeren Mengen zu essen, dann könnte eine gleichzeitige Einnahme von Chlorella die Absorption des Metalls reduzieren. Wenn Sie jedoch schon mit Cadmium vergiftet sind, können Sie soviel Chlorella essen wie Sie wollen, es wird dadurch in Ihrem Körper nicht weniger.

8. Protective effects of Chlorella vulgaris on liver toxicity in cadmium-administered rats. [LINK]

Diese Studie war sehr ähnlich der vorherigen konzipiert. Wiederum wurde Ratten gleichzeitig Cadmium und Chlorella verabreicht. Fazit: Die Ratten, welche gleichzeitig Cadmium und Chlorella zu sich nahmen, hatten eine weniger vergiftete Leber. Was wiederum zeigt, dass Chlorella eine potentielle schützende Wirkung hat, wenn es gleichzeitig mit dem toxischen Metall eingenommen wird.

Relevanz für Menschen, die eine chronische Cadmiumvergiftung loswerden wollen: null.

Fazit

Summieren wir also, was wir haben:

Studien, die zeigen, dass Chlorella beim Menschen eine chronische Quecksilber-, Blei- oder Cadmiumvergiftung verbessern oder komplett revidieren kann: 0

Studien, die zeigen, dass Chlorella bei Mäusen eine chronische Quecksilber-, Blei- oder Cadmiumvergiftung verbessern oder komplett revidieren kann: 0

Es gibt jedoch Ratenstudien, die zeigen, dass Chlorella beim gleichzeitiger Einnahme von Cadmium oder Blei die Aufnahme von diesen Metallen reduzieren könnte.

Angenommen, dass die Ergebnisse von Ratten auf Mensch übertragen werden könnten, in welcher hypothetischen Situation wäre das hilfreich?

Beispiel:
Sie befinden sich in einem Haus von dem Sie wissen, dass die Wasserrohre aus Blei sind. In dem Fall, wenn Sie das Wasser trinken, welches höchstwahrscheinlich mit Blei kontaminiert wäre, dann würde es Sinn machen, gleichzeitig Chlorella einzunehmen. Warum? Weil das Chlorella möglicherweise dazu führen würde, dass Sie weniger Blei aufnehmen würden. Es wäre trotzdem nicht klug das zu machen. Denn das Chlorella würde im besten Fall die Absorption mindern, nicht komplett unterbinden. Das klügste wäre es, das Wasser gar nicht zu trinken.

Aber, wenn es aus irgendeinem Grund nicht möglich sein sollte, dieses kontaminierte Wasser nicht zu trinken, so ist es möglich, dass Chlorella so ähnlich wie Aktivkohle funktioniert: es ist in der Lage die Aufnahme von giftigen Substanzen durch unsere Körper zu mindern.

Es ist jedoch, genauso wie Aktivkohle, nicht in der Lage ,Metallgifte, die sich bereits im Innern unserer Organe befinden, zu entfernen.

Es gibt also keinen einzigen wissenschaftlich belegten Grund, keine einzige Studie, die zeigt, dass Chlorella bei chronischen Schwermetallvergiftungen hilft.

Anzumerken ist auch, dass es keine einzige Studie zu Chlorella und Quecksilbervergiftung gibt, und Quecksilbervergiftung ist eigentlich das, was die meisten Menschen hoffen loszuwerden. Weit vor Blei- oder Cadmiumvergiftung.

Entgiftungskuren mit Chlorella?

Was ist also die Schlussfolgerung von all dem? Zum einen: Sie können mit Chlorella keine Entgiftungskur durchführen. Das macht Chlorella nicht. Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg dafür.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal dabei sind, sich ein Video von Dr. Klinghardt anzuschauen und einen Haufen Geld für dieses teure Grünzeug auszugeben.

Kaufen Sie sich stattdessen besser ein Stück Rindfleisch. Das ist gesünder und billiger als Chlorella.

Falls Sie denken, dass ich eine Studie übersehen habe, lassen Sie es mich wissen. Es muss jedoch mindestens eine an einem Säugetier sein. Auf Links zu Studien die in Petri-Schalen oder wässrigen Lösungen durchgeführt wurden, werde ich nicht reagieren, da diese wissenschaftlich nicht relevant sind.

Paola Dziwetzki

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Kann man mit Silizium Aluminium entgiften?

Kann man mit Silizium Aluminium entgiften?

Vor ein paar Tagen erhielt ich die folgende Email:

„Sehr geehrte Fr. Dzietzki [sic],

Aluminium lässt sich mit Kieselsäure (Silizium) aus dem Körper entfernen, z.B. durch trinken eines geeigneten Mineralwassers (z.B. Gerolsteiner, Volvic, etc). Sehen Sie sich bitte die Forschung rund um Prof. Exley an. Er hat Studien viele Studien dazu publiziert.

https://www.keele.ac.uk/aluminium/groupmembers/chrisexley/

Ich empfehle Ihnen das entsprechende Youtube-Video zu aktualisieren.“

Ich war dabei, den üblichen Text von mir zu geben, den ich, zugegebenermaßen ohne selber recherchiert zu haben, von Dr. Cutler übernommen hatte. Die entsprechenden Ansichten habe ich in diesem Youtube-Video zusammengefasst.

Dr. Cutler hat behauptet, dass es 1. keine Ausleitungsmittel für Aluminium gibt, und 2. dass in den meisten Fällen Menschen Aluminium von alleine loswerden. Tun sie es nicht, so wäre das eher ein Indiz für eine Quecksilberbelastung, welche die Aluminiumausscheidung blockiert.

Da ich jedoch in letzter Zeit beträchtliche Lücken in Dr. Cutlers Theorien entdeckt hatte, bremste ich mich mit einer entsprechenden Antwort, und nahm mir stattdessen vor, die vorgeschlagenen Abhandlungen von Prof. Exley durchzulesen.

Ich folgte somit dem Link und gelangte auf eine lange Liste mit Publikationen von Prof. Chris Exley: https://www.keele.ac.uk/aluminium/groupmembers/chrisexley/publications/

Dort sind 127 Artikel, Studien, Kommentare und andere Abhandlungen von Prof.  Exley aufgelistet.

Viele davon in der Tat zum Thema Aluminium.

Ich ging ein Punkt nach dem anderen durch die Liste, um nach einer relevanten Studie zu suchen.

Wonach ich genau suchte, war eine Interventionsstudie an Menschen, denen Silizium oder Siliziumverbindungen gegeben wurden, und wo die Ausscheidungsrate von Aluminium getestet wurde.

Von den 127 wissenschaftlichen Dokumenten fand ich eins, das diesem Kriterium gerecht wurde: „Non-invasive therapy to reduce the body burden of aluminium in Alzheimer’s disease“, oder „Nichtinvasive Therapie, um die Körperreserven von Aluminium bei der Alzheimer Erkrankung zu reduzieren“.

Nachdem ich nach dem erfolgreichen Knacken der illegalen Paywall den gesamten Studientext heruntergeladen habe, fing ich an zu lesen. 

Bald wurde mir klar, dass, so wie die Studie konzipiert war, sie unmöglich zeigen konnte, ob die Einnahme von Silizium zu einer Minderung von Körperreserven von Aluminium führen.

Methodik der Studie

Eins der wichtigsten Teile, auf die ich achte, wenn ich mir eine Studie durchlese, ist der, wo die Vorgehensweise, also die Methode, beschrieben wird.

Bei dieser Studie sah diese folgendermaßen aus:

Es wurden 10 Personen, die mit Alzheimer diagnostiziert wurden, gewählt. Die Dauer der Studie betrug 2 Wochen. Die erste Woche diente als Kontrollwoche, die zweite als die Interventionswoche.

Woche 1: Den Patienten wurden ein Mal täglich stichprobenartig Urinproben entnommen. Diese wurden u.a. auf Silizium und Aluminiuminhalt überprüft. Es wurde jeweils nur der Morgenurin untersucht.

Woche 2: Patienten wurden gebeten bis zu 1,5 Liter Silizium reiches Volvic Wasser zu trinken. Es wurden Ihnen ebenfalls morgens stichprobenartig Urinproben entnommen und auf u.a. Aluminium und Silizium untersucht.

Das war die ganze Studie.

Es wurden keine Urinproben nach Woche 2 untersucht. D.h., es wurde nicht untersucht, ob die Aluminiumwerte nach der vollzogenen „Therapie“, also Woche 3 zum Beispiel, dauerhaft gesenkt werden konnten. Es wurden lediglich die Aluminiumwerte während der „Therapie“ gemessen.

Ergebnisse zeigen etwas anderes, als was Prof. Exley sagt

Als die Aluminiumwerte der Teilnehmer aus Woche 1 mit denen aus Woche 2 verglichen wurden, so zeigte sich, dass in Woche 2, also während der Intervention , die Aluminiumwerte niedriger waren, als in Woche 1.

So wurden bei 8 von 10 Teilnehmern geringere Aluminiumwerte im Urin während Woche 2 als während Woche 1 gemessen.

Es ist also genau das Gegenteil von dem passiert, als das, was man erwarten würde, wenn Silizium in der Tat Aluminium erfolgreich über den Urin ausleiten würde. So sagt Dr. Exley im Vorwort:

„Untersuchungen haben in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass Silizium als biologisch verfügbare Form von Kieselsäure (Si (OH) 4) die gastrointestinale Absorption von diätetischem Al [6] reduziert und die Ausscheidung von systemischem Al im Urin fördert.

Im Original:

„Research during the past decade or so has shown that silicon, as its biologically available form silicic acid (Si(OH)4), both reduces the gastrointestinal absorption of dietary Al [6] and facilitates the urinary excretion of systemic Al [15].„

Genau das findet jedoch in der Studie nicht statt. Da scheint Silizium die Ausscheidung von Aluminium im Urin zu reduzieren.

Hier die graphische Veranschaulichung der Ergebnisse der Studie. Die (von mir) grün eingezeichnenten Punkte stellen die Werte von Aluminium im Urin während Woche 1 dar; die schwarzen die Al-Werte während Woche 2. Wie man sieht, sind in 8 von 10 Fällen die Werte während der Volvic-Einnahme gesunken, nicht gestiegen, wie man das bei einer erfolgreichen Aluminiumausleitung erwarten würde.

Wo ist das Aluminium geblieben?

Der obige Satz zeigt auch ein weiteres Manko der Studie: dass nämlich die niedrigeren Werte von Aluminium in Urin daran liegen könnten, weil weniger Aluminium durch Nahrung aufgenommen wurde, nicht weil Silizium das toxische Metal ausgeleitet hat. Da die Studie jedoch nicht entsprechend konzipiert war, ist es unmöglich zu sagen, was die niedrigeren Urinwerte herbeigeführt hat.

Es ist auch möglich, dass die Menge von ausgeschiedenen Aluminium im Urin niedriger, jedoch die im Stuhl oder Schweiß erhöht war. Da jedoch keine entsprechenden Messungen vorgenommen wurden, ist das ebenfalls ein unbekannter Faktor. 

Was man jedoch auf gar keinen Fall sagen kann, ist, dass die Studie beweist, dass Silizium die Ausscheidung von Aluminium im Urin fördert.

Das größte Manko der Studie

… ist es, dass in Woche 3, nach Beenden der „Therapie“, keine Messungen vorgenommen wurden.

Man hätte in Woche 3 wieder zu normalen Wasser zurückgehen sollen und dort die Urinwerte messen müssen. Wären die Werte in Woche 3 signifikant und dauerhaft niedriger als in Woche 1, dann und nur dann könnte man eventuell in Erwägung ziehen, dass Silizium in der Lage ist, Aluminium erfolgreich auszuscheiden.

Doch das wurde nicht gemacht.

Somit kann man unmöglich sagen, dass Silizium, wie es im Volvicwasser vorzufinden ist, zu einer Minderung von Aluminiumbelastung im Körper führt.

Niedrigere Urinwerte heißt niedrigere Körperbelastung?

Prof. Exley interpretiert die Ergebnisse der Studie derart, dass er sagt, dass die niedrigeren Aluminiumwerte im Urin der Teilnehmer in Woche 2 als Beweis dafür gelten, dass die Körperbelastung mit Aluminium runtergegangen ist.

„Urinary excretion of Al, with or without concomitant chelation therapy, is considered to be the most representative non-invasive indicator of body burden of Al and as such, drinking Volvic was herein shown to be successful in reducing Al body burden in patients with AD.„

auf deutsch:

“Die Ausscheidung von Al im Urin, mit oder ohne gleichzeitige Chelat-Therapie, wird als der repräsentativste, nicht-invasive Indikator für die Al-Körperbelastung angesehen und daher wurde das Trinken von Volvic bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit als erfolgreich zur Verringerung der Al-Körperlast gezeigt. “

Wieso ist das falsch?

Weil diese Werte während der Therapie, die zu einer höheren Ausscheidung von Aluminium im Urin führen sollte (wie Prof. Exley es selber im einführenden Absatz erklärt), gemessen wurden, nicht danach.

Wäre Volvicwasser ein effektives Mittel, um Aluminium auszuleiten, so hätten die Urinwerte während Woche 2 höher sein sollen, nicht niedriger.

Weitere Probleme der Studie

  • Die stichprobenartige Abnahme der Urinproben während Woche 1 stellt ein Problem dar, da es nicht eine mögliche Fluktuation (natürlich oder ernährungsbedingt) in der Ausscheidungsrate berücksichtigt. Es wäre besser gewesen, 24 h Urin zu sammeln, und die Gesamtmenge von Aluminium zu messen.
  • Die stichprobenartige Abnahme während der Intervention in Woche 2 ist ebenso problematisch. Um zu wissen, ob verstärkt Aluminium mit dem Urin ausgeschieden wurde, sollte man auch die Gesamtmenge pro Tag messen, um ebenfalls mögliche Fluktuationen auszuschließen. Der Autor gibt zu, dass das dynamische Verhalten von Aluminium im Urin größtenteils unbekannt ist („We actually know very little about the dynamics of urinary Al excretion whether following the ingestion of silicic acid-rich mineral water or not.“), was ein starkes Argument dafür gewesen wäre, um den Gesamturin, und nicht nur Stichproben zu sammeln.
  • Keine Kontrollgruppe. Wie hätten sich die Aluminium- und Siliziumwerte bei einer Gruppe verhalten, die anstatt Volvicwasser ein anderes Mineralwasser getrunken hätte? Wir wissen es nicht, da es keine solche Kontrollgruppe gab. 
  • Wie wurde überprüft, dass sich die Teilnehmer an die Vorgaben hielten? Prof. Exley gibt an, dass 2 von den 10 Teilnehmen nur 50% der vorgeschlagenen Wassermengen zu sich genommen hatten. Hätte man diese nicht aus der Studie entfernen sollen?
  • Es wurde nicht vorgegeben, wann und in welcher Menge jeweils das Wasser getrunken werden sollte. Prof. Exley gibt zu, siehe oben, dass wir nicht wissen, wie sich die Aluminiumausscheidungsrate im Urin verhält. Es gäbe doch sicherlich einen Unterschied in den stichprobenartigen Urinproben bei jemandem, der die ganzen 1,5 Liter am frühen Morgen trinkt, und bei jemanden, der kleinere Mengen über den ganzen Tag hinweg? Auch das berücksichtigt die Testdurchführung nicht, kann aber beträchtliche Auswirkungen auf die gemessenen Werte gehabt haben.

„However, for the present study we do not know when or how often in the day patients drank the 1.5 L of Volvic.„

„We have no data concerning possible correspondence between when Volvic was drunk and collection of the first urine sample of the day.„

  • 10 Personen ist eine zu kleine Anzahl, um statistisch relevante Zusammenhänge zu erkennen. Eine Studie mit einem Minimum von 30 Teilnehmern wird generell als statistisch relevant angesehen.
  • Bei 2 Personen waren die Al-Werte während Woche 2 erhöht. Heisst das, wenn man Prof. Exleys Logik folgt, dass in einigen Fällen Silizium eine Aluminiumvergiftung verschlimmern kann?
  • Einige der Teilnehmer haben auch „antacids“ oder Säureblocker genommen. Einige davon enthalten bekanntermaßen Aluminium. Das wurde ebenfalls bei der Auswertung der Studie nicht berücksichtig.
  • Es wurde nicht nach anderen Quellen von Aluminium gesucht: Aluminiumkochtöpfe, aluminiumhaltige Deodorants oder der Verzehr von hoch aluminiumhaltigen Lebensmitteln. Diese konnten auch zu verfälschten Ergebnisse geführt haben.
  • Wie Prof. Exley postuliert, ist es möglich, dass Silizium die Aufnahme von Aluminium durch die Nahrung reduziert. Das könnte die niedrigeren Werte von Aluminium im Urin während Woche 2 erklären, und nicht eine angebliche und nicht gemessene erhöhte Urinausscheidung. Doch auch das wurde während der Studie nicht berücksichtigt.
  • Es wurde nicht nach der klinischen Relevanz geschaut. Falls die niedrigeren Al-Werte im Urin aufgrund einer Blockierung von Al-Ausscheidung waren, so kann sein, dass es den Patienten dadurch noch schlechter ging. Oder hat das Silizium die Aufnahme zusätzlichen Aluminiums durch Nahrung blockiert und es kam zu einer Besserung in der Symptomatik? Oder was das alles klinisch sogar irrelevant? Unmöglich zu sagen, da die Studie auch danach nicht geguckt hat. 

Prof. Chris Exley – inkompetent oder absichtlich irreführend?

In dem Teil der Studie, der „Diskussion“ genannt wurde, werden die Ergebnisse der Studie nochmal zusammengefügt.

In diesem Fall ist dieser Teil so voller Widersprüche zum übrigen Text der Studie, dass man sich fragt, ob das nicht an kriminelles Verhalten grenzt.

So proklamiert er in dem abschließenden Teil:

„The observation that drinking Volvic did not influence the urinary excretion of Fe and the knowledge that none of the other constituents of Volvic could have influenced Al excretion via the kidney suggested very strongly that the removal of Al was linked to the increase in excretion of Si in Week 2 and was not simply a generalised increase in urinary excretion of metals.„

deutsch:

„Die Beobachtung, dass das Trinken von Volvic keinen Einfluss auf die Fe-Ausscheidung im Urin hatte und das Wissen darüber, dass keiner der anderen Bestandteile von Volvic die Al-Ausscheidung über die Niere hätte beeinflussen können, legt die Vermutung sehr stark nahe, dass die Entfernung von Al mit der erhöhten Ausscheidung von Si während Woche 2 in Verbindung stand und nicht einfach eine generalisierte Erhöhung der Ausscheidung von Metallen im Urin war.“

Hier wird der Unsinn klar, denn es wurde ja keine „generalisierte Erhöhung der Ausscheidung von Metallen im Urin“ beobachtet, ganz im Gegenteil!

Weiter sagt er:

„Dietary silicic acid might both reduce the gastrointestinal absorption of dietary Al and facilitate the urinary excretion of systemic Al.„

deutsch:

„Diätetische Kieselsäure könnte sowohl die gastrointestinale Absorption von Aluminium in der Nahrung verringern als auch die Ausscheidung von systemischem Al im Urin fördern.“

Der erste Teil des obigen Satzes mag erklären, warum Al-Werte während der zweiten Woche gesunken sind: dass nämlich die Aufnahme von weiterem Aluminium über die Nahrung blockiert wurde, nicht so sehr durch eine erhöhte Ausscheidungsrate. Denn es hat ja keine „Ausscheidung von systemischem Al im Urin“ gefördert, denn wie er selber ja sagt sanken die Al-Werte im Urin bei 8 von 10 Teilnehmern.

„We have assumed that both reduced gastrointestinal absorption and increased urinary excretion contributed towards lowering the body burden of Al in AD patients in this study.„

auf deutsch:

“Wir haben angenommen, dass sowohl eine verminderte gastrointestinale Absorption als auch eine erhöhte Ausscheidung im Urin dazu beigetragen haben, die Körperbelastung von Al bei AD-Patienten in dieser Studie zu senken.”

Nochmal: Von welcher „erhöhten Ausscheidung im Urin“ spricht er? Diese hat laut seiner eigenen Angaben nicht stattgefunden, außer bei 2 von 10 Teilnehmern. Worauf basiert also seine Schlussfolgerung, dass die Körperbelastung an Aluminium reduziert wurde?

„The authors stated that sustained treatment with low doses of DFO [desferrioxamin] resulted in three-fold increases in urinary Al excretion and slowing of the clinical progression of AD.„

auf deutsch:

“Die Autoren gaben an, dass eine anhaltende Behandlung mit niedrigen Dosen von DFO [Desferrioxamin] zu einer dreifachen Erhöhung der Al-Ausscheidung im Urin und einer Verlangsamung der klinischen Progression der AD führte.”

Hier zitiert Prof. Exley eine Studie, während der Gaben von DFO, oder Desferrioxamin, zu einer dreifachen Ausscheidung von Aluminium im Urin führten, als Beweis dafür, dass DFO ein erfolgreiches Aluminiumausleitungsmittel darstellt.

Bei seiner eigenen Studie nimmt er jedoch ein gegenteiliges Ergebnis, nämlich niedrigere Urinwerte während der Durchführung, als Beweis für den gleichen Ausleitungseffekt?! Wo ist hier die Logik?

Fazit

Die vorliegende Studie von Dr. Exley scheint genau das Gegenteil von dem zu zeigen, was Dr. Exley in seinen Vorträgen uns glauben machen will: Dass Silizium die Ausscheidung von Aluminium im Urin begünstigt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass während der Einnahme von siliziumreichen Volvicwasser die Ausscheidung von Aluminium bei den meisten von den 10 Studienteilnehmern sank, und nicht, wie versprochen, erhöht wurde. 

Prof. Exleys Ausführungen, dass niedrigere Aluminiumurinwerte während einer Ausleitungstherapie als Beweis für permanent gesunkene Körperbelastung gelten sollten, stehen im Widerspruch mit anderen wissenschaftlichen Abhandlungen zu dem Thema, die er verwirrenderweise auch selber zitiert.

Diese Studie und Prof. Exleys im Internet vorzufindenden Abhandlungen über Silizium und Aluminium entbehren meiner Meinung nach jeglicher wissenschaftlicher Integrität und dienen nur der weiteren Irreführung der Zuhörerschaft.

Siliziumhaltiges Wasser mag die Absorption von Aluminium aus der Nahrung verringern oder eventuell die Ausscheidung von Aluminium über den Urin vermindern. Weitere Untersuchungen zu dem Thema sind notwendig. Was man jedoch auf gar keinen Fall behaupten kann, ist dass Prof. Exleys Studie einen Beweis für die Ausleitungsfähigkeit von Silizium über den Urin liefert.

UPDATE: Eine weitere Studie von Prof. Exley

Kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels, habe ich einen Link zu einer weiteren Studie von Prof. Exley zum Thema Aluminium und Silizium bekommen, in diesem Fall bei MS-Patienten. Titel: “Urinary Excretion of Aluminium and Silicon in Secondary Progressive Multiple Sclerosis”, auf deutsch “Harnausscheidung von Aluminium und Silizium bei sekundärer progressiver Multipler Sklerose”, zu lesen in ihrer Ganzheit hier. Ich werde diese Studie hier weiter als „Studie 2“ bezeichnen.

Diese Studie 2 ist sehr ähnlich konzipiert wie die erste, mit dem Unterschied, dass sie über einen längeren Zeitraum verlief und Multiple Sclerose Patienten anstatt Alzheimer Patienten als Teilnehmer hatte.

So wurde einer Gruppe von MS Patienten über 12 Wochen sowohl stichprobenartig wie auch über 24 h der Urin u.a. auf Aluminiumwerte untersucht. Danach wurde der gleichen Gruppe von Patienten ein Silizium reiches Wasser (diesmal nicht Volvic, sondern von der Firma Spritzer) zu trinken gegeben und ebenso stichprobenartig (ein Mal pro Woche) wie auch vereinzelt über 24 der Urin u.a. auf Aluminiumwerte gemessen. Das wurde ebenfalls 12 Wochen lang durchgeführt. Die Gesamtdauer der Studie waren also 24 Wochen. 

Resultat:

Die Aluminiumwerte bei Studie 2 sind im zweiten Teil der Studie, dem Interventionsteil, bei fast allen Patienten erhöht. So, wie man das während einer erfolgreichen Aluminiumausleitungstherapie erwarten würde.

Prof. Exleys zieht daraus die folgende Schlussfolgerung: Silizium reiches Wasser erhöht die Ausscheidung von Aluminium im Urin.

Was mich wiederum zu der Schlussfolgerung veranlasst: Prof. Exley ist als Wissenschaflter komplett unglaubwürdig.

Er präsentiert zwei verschiedene Studien während der zwei gegensätzliche Phänomene beobachtet werden (In Studie 1 sinken die Al-Werte im Urin, in Studie 2 steigen die Al-Werte im Urin), kommt aber bei beiden Studien zu der gleichen Schlussfolgerung: Silizium ist ein erfolgreiches Aluminiumausleitungsmittel.

D.h, egal, was die Studienergebnisse tatsächlich zeigen, Prof. Exley sieht über solche Kleinigkeiten wie Messwerte hinweg. Für ihn steht fest: Silizium leitet Aluminium aus, komme was wolle. Auch wenn er dazu die Studie, die das Gegenteil beweist, hinter einer Paywall verstecken muss.

Wenn man sich Studie 2 zu Ende liest, so kann man auch den Grund dafür finden, wie es dazu kam, dass diese zu so einem Ergebnis kommt:

„Participants were encouraged to live their lives normally during the 24 weeks of the study with the only differences being the collection of their urine samples (see details below) and, during weeks 13 to 24 inclusive, the addition of a silicon-rich (ca 35 mg/L as silicic acid) mineral water to their everyday diet. The latter was provided by the Malaysian mineral water company Spritzer.”

und

“Funding Sources

KJ [Krista Jones] was in receipt of a Keele Acorn PhD studentship which included partial support from Spritzer Mineral Water Company, Malaysia.”

Was diese Zitate sagen, ist, dass die Studie Nr. 2 teilweise von dem gleichen Mineralwasserhersteller finanziert wurde, der auch das siliziumreiche Wasser während der Studie zur Verfügung gestellt hat, und dass eine der Autorinnen, Krista Jones, eine finanzielle Unterstützung beim Schreiben Ihres Doktorats u.a. von dem gleichen Mineralwasserhersteller erhalten hat.

Worum es hier also geht, ist keine wissenschaftliche Suche nach der Wahrheit, sondern ein Beispiel dafür, wie Marketing heutzutage aussieht.

Falls Sie vollends den Glauben an Prof. Exley verlieren wollen, so schlage ich vor, Sie lesen sich auch die folgende Studie durch: „Silicon-rich mineral water as a non-invasive test of the ‘aluminum hypothesis’ in Alzheimer’s disease“. (Dazu brauchen Sie nur die DOI Nummer, in diesem Fall 10.3233/JAD-2012-121231 hier einfügen: http://sci-hub.tw/).

Diese Abhandlung steht aus gutem Grund ebenfalls hinter einer Paywall. Denn sie beinhaltet etwas sehr Interessantes: eine Kontrollgruppe mit gesunden Teilnehmern. Die Ergebnisse zeigen eindeutig: jede Behauptung von Prof. Exley bezüglich Silizium und Aluminium ist komplett irrelevant.

Paola Dziwetzki

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